Actuellement en cours
Retour

Monlevade, den 17. September 1954

3

Meine Lieben!

Elly, Bomi und Roby!

Liebe Elly! Zunächst recht herzlichen Dank für deine lieben Zeilen. Alle Briefe und Zeitschriften sind prompt hier eingelaufen.Letzter Brief Nr 19 und Brief von Roby aus Schifflingen mit Krivert(?) von deiner Hand geschrieben, doch keine Zeile von meiner Elly, d.h. Roby liess sich ein Krivert(?) fix und fertig mit auf die Reise geben. Deine Briefe Liebe Elly erreichen eine unheimliche Zahl und die vielen, vielen Zeilen mit Liebe abgefasst machen mich stolz und beschämen mich. Wenn ich lese, dass du dem Briefträger entgegen saust und dann nur einen Schein für Radio-Gebühr in die Hand gedrückt bekommst, so wirkte das auf mein Gemüt, wie eine kalte Dusche und ich habe doch noch jede Woche einen Brief an Euch abgegeben. Deine Briefe benötigen 8 Tage um nach Monlevade zu kommen und in der Gegenrichtung kann es doch nicht länger dauern, oder doch?

Nun werde ich mich anstrengen und noch öfters schreiben.

Was deinen Traum betrifft, so kannst Du unbesorgt sein. Die Kirche bleibt im Dorf!!

Die Beantwortung deiner vielen Fragen stelle ich zurück, bis der Moment gekommen ist, wo ich dir mitteile was mit auf die Reise kommt und das ist so wenig wie nur möglich. Eisschrank!nein, da ich schon einen solchen bestellt habe. Die anderen Geräte, nur dann, wenn dieselben wenig Raum beanspruchen.

Roby schreibt von einem Foto-Apparat. Wir haben doch sehr schöne Bilder mit dem Kodak fertig gebracht. Es wäre zu überlegen, ob es nicht besser ist, Roby spart Devisen und wir kaufen einen Apparat in Rio mit Cr. . Alle Apparate sind hier zu haben. Wenn Robby dennoch einen besseren Kasten kaufen möchte, so soll er mir dies mitteilen. Ich spreche dann mit Herrn Engel und gebe dann durch, welche Marke in Frage kommt. Vor acht Tagen hat hier ein Geschäftsvertreter unserem Herren Heuwert einen erstklassigen Fotoapparat für 8000 Cr. abgetreten.

Roby wünschte zu wissen, ob die Karte von Paris mit Gruss von Familie Vich angekommen ist. Ja! Bitte lieber Robi! Bestelle schöne Grüsse an Familie Vich. Die Ferien sind jetzt vorbei und jetzt geht es um die Wurst. Ohne Erfolg ist ein Jahr verloren!

Du wolltest vor einiger Zeit wissen, was E.F.C.B. heisst. Es sind die die Buchstaben von “Estrada de Ferro Central do Brasil” Zentral-Eisenbahn Brasilien. Margot ist Verkäuferin in einem Stoffladen geworden. Hoffentlich erreicht sie, dass sie einmal in einem eigenen Geschäft Ware verkaufen kann, denn dieser Beruf ist nicht immer schön, besonders dann nicht, wenn Damen erscheinen und sich den ganzen Laden auf die Theke legen lassen und zum Schluss doch nichts kaufen. Ich denke da an den Stoffladen von Faillet in Bouneweg. Vater hat dort immer Samtstoff für seine Buben gekauft d.h. der älteste bekam einen Anzug von Mutter verpasst und der vererbte sich über drei Buben. Gewöhnlich war ich der Leidtragende. Wenn der Stoff nicht besonders gut war, dann würde Vaters Hose benutzt um Lücken auszufüllen. So war das Leben!

 Liebe Elly! Meine Sendungen nach Zentral-Arbed werden

nicht gestoppt. Ich werde keine Kapitalanlagen hier machen. Wenn 6 Jahre um sind, dann Valet(?)  Brasilien und wegen der Geldentwertung werde ich noch mit Herrn Scharlé verhandeln.

Früher sind hier Feste gefeiert worden, welche Millionen verschluckt haben und die notwendigsten Reserveteile fehlen. Gott sei Dank hat das aufgehört. (Remi(?) vertraulich mitgeteilt.) 

In der vergangenen Woche d.h. von Freitag Mittag den 10 bis heute habe ich Schmerzen in meinem Bein gehabt und habe acht Tage aussetzen müssen. Heute geht es wieder besser und heute Mittag werde ich wieder den ersten Gang zum Werk machen. Zwei Ärzte haben mich betreut und alle waren sehr besorgt um mich.

Ich wollte in dem Schreiben nach Brüssel keine Mitteilung hierüber machen um Dir Liebe Elly Deinen Brüsseler Aufenthalt nicht zu verderben.

 Nun ist alles wieder in bester Ordnung. Ich werde dir weiter mitteilen, ob es auch dabei bleibt. Die Ursache war 1). Anschwellung über der Wunde 2). Herumlaufen ohne Gummistrumpf, da ich denselben schlecht vertragen konnte *).zu viel auf den Beinen. Mit Penizilin-Spritzen hat sich die Verärgerung vollständig verzogen und Umschläge dazu Heizkissen mit Maron  d’Jude(?) geben den Rest. Ich fühle mich wieder fit und es kann wieder losgehen und zwar ohne Knoten.

Heute Abend erscheinen 50 Herren der Armee / Generäle und sonstige hohe Tiere und so möchte ich heute mittag noch nach dem Rechten sehen.

Ich schliesse für heute mit schönen Grüssen und Küssen an Euch alle besonders für dich liebe Elly und mache dir keinen Kummer. Alles wieder in bester Ordnung.

Emile